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Corpus-Christi-Kapelle neben Sankt Paul nach Renovierung wieder geöffnet

Redaktion am 15.09.2025

Info Icon Foto: Michael Bär

Einige Monate war die Corpus-Christi-Kapelle an der Stiege vom Rindermarkt zur Pauluskirche wegen Renovierung geschlossen. Die Kirchenrestaurierungsfirma Kallinger aus Vilshofen hat Feuchtigkeitsschäden an den Wänden und am Stuck beseitigt. 

Ger­ne gehen die Besu­cher von Sankt Paul in die­se Kapel­le, die zusam­men mit der Pfarr­kir­che nach dem Stadt­brand von 1662 neu gebaut wur­de, um dort vor der beein­dru­cken­den Erbärm­de-Chris­tus-Figur eine Ker­ze anzu­zün­den und zu beten. Die Figur ist dem gegei­ßel­ten Hei­land auf der Wies, dem Gna­den­bild der Wies­kir­che in Stein­ga­den nachempfunden. 

Das bedeu­tends­te Kunst­werk in der Kapel­le stellt jedoch der soge­nann­te Renais­sance-Altar dar. Bei der gro­ßen Reno­vie­rung von Sankt Paul 1910 ist wohl ein Renais­sance-Reli­ef in einen neu­ba­ro­cken, mar­mor­nen Altar­rah­men ein­ge­fügt und in der Kapel­le auf­ge­stellt wor­den. Dr. Irm­hild Heck­mann ver­mu­tet in ihrem Arti­kel im neu­en Herbst-Pfarr­brief des Alt­stadt­pfarr­ver­ban­des, dass das hel­le Kalk­stein­re­li­ef ursprüng­lich Teil eines Epi­taphs, eines Grab­steins gewe­sen ist. Auf­grund der Dar­stel­lung und der zahl­rei­chen bibli­schen Zita­te auf dem Reli­ef han­del­te es sich wohl um ein pro­tes­tan­ti­sches Bekennt­nis-Epi­taph aus der Zeit des Pas­sau­er Fürst­bi­schofs Urban von Trenn­bach (1525 – 1598, Fürst­bi­schof ab 1561). Die­ser war ein eif­ri­ger Anhän­ger der Gegen­re­for­ma­ti­on und rief hier­zu im Jahr 1564 die Fran­zis­ka­ner nach Pas­sau, die ihr Klos­ter am Ein­gang des Neu­mark­tes erbau­ten und die Seel­sor­ge in der Stadt maß­geb­lich beein­fluss­ten. Trotz­dem besaß die luthe­ri­sche Kon­fes­si­on für Jahr­zehn­te eine gro­ße Anzie­hungs­kraft in Stadt und Bis­tum. Dem Pas­sau­er ähn­li­che Bekennt­nis-Epi­ta­phe fin­den sich bei­spiels­wei­se in Gries­kir­chen, Hör­sching, Efer­ding, Schär­ding, Wels und Obern­berg. Vor­bild für die Gestal­tung bil­det die sog. Pra­ger Tafel mit dem Titel ​„Gesetz und Gna­de“ von Lukas Cra­nach dem Älte­ren aus dem Jahr 1529. Sie befin­det sich in der Pra­ger Nationalgalerie. 

Die Kir­chen­ver­wal­tung von Sankt Paul mit Pfar­rer Dr. Micha­el Bär und Kir­chen­pfle­ger Dr. Fritz Aude­bert ist froh und dank­bar, den Gläu­bi­gen die Cor­pus-Chris­ti-Kapel­le als Ort zum Inne­hal­ten für Gebet und Medi­ta­ti­on in neu­er Fri­sche wie­der öff­nen zu können. 

Text: Micha­el Bär

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